Beckenschlägerschüssel (sogenannte Blutschüssel)
Nürnberg, um 1500
Durchmesser 27,8 cm
Messing, getrieben (mehrfach geflickt)
Inv. Nr. 427
In den Boden der Metallschüssel ist die Darstellung einer Madonna auf der Mondsichel getrieben. Über der Gottesmutter halten zwei schwebende Engel eine Krone.
Becken dieser Art konnten als sogenannte Blutschüsseln zum Auffangen des Blutes beim Aderlass dienen. Dazu öffnete man mit einer Fliete, einem Aderlassmesser, bestehend aus einem Stiel mit einer dazu rechtwinklig angebrachten kurzen, lanzettförmigen Klinge, eine Vene in der Armbeuge des Patienten. Zum Stauen, also zur Regelung des Blutflusses, legte der Wundarzt eine Binde oberhalb des Ellenbogens an oder drückt – wie auf der beigefügten Darstellung zu sehen – mit den Fingern die Vene ab. Man dachte, dass über den Aderlass schlechtes Blut abgeführt werde, wodurch Erkrankte besser gesundeten. Außerdem konnten anhand der Qualität des Blutes Diagnosen erstellen werden.
"Die sieben weisen Meister" von Hans Dirmstein, Frankfurt am Main 1471, Universitätsbibliothek Johann Christoph Senckenberg, Frankfurt am Main. (gemeinfrei)